Interview with Kölner Stadtanzeiger 30.01.2013

Interview with Kölner Stadtanzeiger 30.01.2013

Das Schöne besiegt das Brutale
Die Vierer-Death-Metal-Combo Skum aus Köln zelebriert einen wütenden Sound mit Groove und Melodie. Auch Einflüsse aus Hard Rock, Punk-Rock und Pop sind hörbar. Am 2. Februar wird der Release ihres neuen Album
s „Prašina“ im MTC gefeiert. Von Christian Leinweber

Wut muss nicht zwangsläufig zu Destruktion führen. Man kann sie auch für einen kreativen Prozess nutzen. Zumindest für den gebürtigen Kroaten Nikola Grgic, Sänger der 1999 gegründeten Death Metal Formation Skum, war die extreme Spielart des Metal damals „ein Weg, meine Wut sinnvoll zu kanalisieren. Als Jugendlicher war ich rund um die Uhr wütend, das habe ich vertont“, sagt der Frontmann. Die Musik habe ihm geholfen klarzukommen, zu funktionieren, den Blick nach vorne zu richten.

Heute, dreizehn Jahre später, sind die brachialen Stücke von Skum nicht minder zornig, fungiert die Band für Grgic doch immer noch als „wichtiger, wenn auch nicht mehr einziger Ausgleich für meine Mentalhygiene“. Trotzdem habe sich der Sound im Vergleich zu den Anfangstagen verändert – er sei nun zwar noch härter, aber auch viel melodiöser.

Donnernder Death-Metal alter Schule

Bester Beleg dafür ist Prašina (zu Deutsch Staub), der bereits dritte Langspieler der Band. Zwölf komplex arrangierte Songs sind darauf verewigt, deren Basis hochgeschwind donnernder Death-Metal alter Schule ist. Beeinflusst ist die Musik aber auch von feist groovendem Hard Rock, rotzig krachendem Punk-Rock und sogar schwelgerischem Pop. Das Titelstück etwa ist ein furios nach vorne preschender Rock-’n’-Roll-Brocken, gewürzt mit einer Ohrwurm- Gitarrenlinie.

„Where All Life Ends“ indes beginnt leicht vertrackt und extrem düster. Dann bahnt sich eine traurige Basslinie ihren Weg durch das brutale Riffgewitter. Wie wundersame Gewächse wuchern die Stücke von Skum, treiben betörende Blüten, um gleich wieder von einem Sturm zerfetzt zu werden.

In Worte gefasste Momentaufnahmen

An Abwechslung mangelt es auf Prašina nicht. Und auch Menschen, die ganz harten Klängen skeptisch gegenüber stehen, könnten an den dunklen Melodien Gefallen finden. Dunkel sind auch die Bilder, die Grgic mit seinen lyrisch anspruchsvollen, englischen, deutschen und kroatischen Texten entwirft. „Manche sind sozialkritisch, andere wiederum sehr persönlich, über mein seelisches Innenleben“, schildert der Sänger. „Es sind in Worte gefasste Momentaufnahmen von Emotionszuständen.“ In „Brandrodung“ singt Nikola Grgic mit rauer, kehliger Stimme: „Wo sich Stille versteckt und alles stirbt, im Kleinen gebeugt, mit gekrümmtem Kreuz verkrampft, zittert und zuckt der Leib.“

So schwarz der Frontmann auch gerne malt, seine Lyrik ist nicht ohne Hoffnungsschimmer: „Zum Leben gehören schreckliche Dinge, die ganzen Dramen, die sich überall abspielen, aber es gibt trotzdem eine Menge toller Sachen zu entdecken“, glaubt der Songwriter Grgic.

Globale Missstände

Er ist sich sicher: „Nur wenn wir versuchen, etwas Positives zu erschaffen, können wir der Dunkelheit entgegenwirken.“ Skum bekämpfen Feuer mit Feuer. Für globale Missstände und individuellen Seelenschmerz findet der Vierer einen übersteigerten, zuweilen an die Schmerzgrenze gehenden musikalischen Ausdruck. Doch am Ende thront die Melodie über der krachenden Attacke, siegt das Licht über die Dunkelheit, die Schönheit über die Brutalität. Nicht zuletzt das macht ihren Tonträger Prašina zu einem geradezu kathartischen Hörerlebnis.

Was hat es mit dem Bandnamen auf sich?

Nikola Grgic: Der Name Skum ergab sich spontan. Wir wollten ihn erst mit c schreiben, dann wäre es das englische Wort für Abschaum gewesen. Es gab allerdings schon einige Bands mit diesem Namen, daher haben wir das c durch ein k ersetzt. So hat der Name eine eigene Note, die Bedeutung bleibt für uns allerdings dieselbe.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Christoph Buchheim: Meine Eltern sind beide Musiklehrer, daher habe ich schon mit sechs Jahren angefangen, Geige zu lernen, fand das aber nicht so prickelnd. Eine Zeit habe ich auch Klarinette sowie Saxophon gespielt. Gehört haben meine Eltern vor allem Klassik. Was genau es war, habe ich verdrängt, ich habe die Musik damals gehasst. Mein Vater mochte aber auch Jazz und die Beatles, das war ein Lichtblick, damit konnte ich was anfangen. Von meinem ersten selbst verdienten Geld habe ich mir eine gebrauchte E-Gitarre gekauft. Später bin ich aufs Schlagzeug umgestiegen, weil es Gitarristen wie Sand am Meer gibt und ich an der Gitarre nicht gerade eine Leuchte bin.

Ihre jüngste selbst gekaufte Platte?

Nikola Grgic: Das war die 2010 erschienene, selbstbetitelte Platte der französischen Nouvelle-Chanson-Sängerin Zaz. Die mit akustischen Instrumenten umgesetzten Songs sind ein bisschen jazzig und Zaz macht auch viel mit ihrer Stimme. Es ist einfach schöne Musik mit viel Herz.

Band-Info Skum

Die Band:

Nikola Grgic (33), Gesang, ist Fachkraft für Lagerlogistik und wohnt in Weiler.
Roberto Parada (34), Gitarre, ist Mediengestalter, lebt in Nippes.
Christian Görke (31), Bass, ist Labelchef von Bret Hard Records mit Wohnsitz in Siegburg.
Christoph Buchheim (33), Schlagzeug, arbeitet als Tontechniker und lebt in Zollstock.

Aktuelle CD:

„Prasina“ (2013), selbst produziert, wird am 1. Februar auf Bret Hart Records und im Vertrieb von H’art erscheinen. Erhältlich ist die Scheibe in gut sortierten Plattenläden und in Internetshops wie Amazon sowie über die Homepage der Band.

Das nächste Konzert:

Am Samstag, 2. Februar, feiern Skum die Release-Party von „Prasina“ im MTC, Zülpicher Straße 1., Support sind Aach un Kraach. Beginn: 20.30 Uhr; Eintritt: vier Euro. Karten können auch über die Skum-Homepage bestellt werden.

 http://www.ksta.de/klangprobe/klangprobe-feat–skum-das-schoene-besiegt-das-brutale,16375040,21596420.html

 

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