Skum Interview with Undergrounded.de

Skum Interview with Undergrounded.de

Die sehr undergroundige Death-Metal Kombo SKUM aus Köln releasen in Bälde ihr neuestes Album „Prasina“ – Grund genug für Undergrounded den Jungs in einem Interview auf den Reißzahn zu fühlen.

UG: Hallo Nikola!

Nikola: Hallo Grave!

UG: Euer drittes Album steht in den Startlöchern und ihr seid seit fast 15 Jahren auf den „Todes- Brettern“ im Raum Köln unterwegs, müde?

Nikola: Nein, kein Stück! Es gab zwischen den Jahren immer mal wieder Ermüdungserscheinungen, gerade wenn es mal nicht so gut lief, weil irgendetwas kaputt gegangen ist, im Proberaum eingebrochen wurde oder einzelne Bandmitglieder beschlossen, andere Wege zu gehen, aber Aufhören war nie wirklich eine Option. Und inzwischen ist dann auch die Schwelle überschritten, wo wir es so lange machen, dass wir uns das nicht anders vorstellen können. Wir entwickelten mit der Zeit einen stoischen Willen, der uns einfach weitermachen ließ. Wir brauchen das!

UG: Wir bedanken uns an der Stelle auch gleich bei euch und Bret Hard Records, dass wir euer Album schon in den Händen halten und reviewen durften. Dafür gabs auch direkt satte 9/10 Punkte und hat unseren Reviewer nachhaltig beeindruckt. Wie zufrieden seid ihr mit dem Album, vor allem im Vergleich zu den Releases 2004 und 2008?

Nikola: An dieser Stelle erst mal vielen Dank für das dicke Lob! Wir sind sehr zufrieden mit der Platte, sie ist ein stimmiges Stück Kunst geworden. Nicht nur die Musik, auch das ganze Artwork passt da gut zusammen, und wir sind stolz darauf, das Album auch auf Vinyl veröffentlicht zu haben. Für mich persönlich war es schon etwas sehr Magisches, die eigene Schallplatte in den Händen zu halten und dann aufzulegen. Bei der Covergestaltung und dem gesamten visuellen Arrangement haben wir das unfassbare Glück, dass unser Gitarrist Roberto nicht nur irrsinnig gut Gitarre spielt, sondern ebenso großes Talent im Zeichnen besitzt. Die Figur auf unserem Cover ist übrigens eine Adaption der Statue der Nike von Samothrake, falls sie jemandem bekannt vorkommen sollte.

Für den Sound der Scheibe ist unser Schlagzeuger Christoph verantwortlich, der zu seinem Freud und Leid Tontechniker ist, was uns als Band sehr zu Gute kommt und für ihn aber auch einen Riesenhaufen Arbeit bedeutet. Zu den Songs denke ich, dass es sich um ein sehr homogenes Album handelt, trotz der großen Bandbreite an Sounds und Einflüssen. Alles greift gut ineinander. Es klingt offen, gesund und pulsiert vor Energie. Im Vergleich zu den Platten 2004 und 2008 liegt der größte Unterschied in den beteiligten Musikern. Christian und Roberto waren damals noch nicht dabei. Die aktuelle Scheibe klingt runder, definierter, ich habe das Gefühl, wir haben mehr zu uns gefunden. Wir transportieren immer noch den Geist und die Energie aus den alten Tagen, bereichert um die Erfahrung und definitiv auch den Einfluss des frischen Blutes an Bass und Gitarre.

UG: Das Album ist eine gesunde Mischung aus Tod und Vernichtung, man hört neben Deutsch und Englisch auch Kroatisch heraus. Die Mischung ist auf jeden Fall sehr interessant und lässt an Pfeffer nicht fehlen. Verstehen alle Bandmitglieder kroatisch oder könntest du auch Songs über den zarten Frühling in der Kvarner Bucht schreiben und der Band erzählen es geht um rollende Panzer?

Nikola: Haha! Danke schön! Nun, an der Kvarner Bucht bin ich immer nur vorbei gefahren, kenne da aber einige andere schöne Ecken, da hast du mich auf eine hervorragende Idee gebracht, ein nicht enden wollender Fluss an Inspiration. Nein, außer mir versteht das keiner in der Band. Ich übersetze die Texte natürlich den Jungs, damit sie wissen, worum es da genau geht. Schließlich müssen die ja schon irgendwie hinter dem, was ich zu sagen habe, stehen können. Tatsächlich rollen da nicht immer Panzer, auch wenn es oft so klingt… Die Kroatisch-Kenntnisse der Jungs reichen allerdings für lebensnotwendige Kommunikation wie das Bestellen von Getränken und das Anpreisen der holden Weiblichkeit.

UG: Ihr seid bei Bret Hard unter Vertrag und habt auch den Release über das Label. Wie kann ich mir die Kooperation zwischen SKUM und Bret Hard vorstellen?

Nikola: Tja, nun, recht persönlich und insbesondere simpel, kann man sagen, unser Bassist Christian ist ja Chefkoch bei Bret Hard. Von daher findet diese Kooperation vor allem bei Bier und Zigarette während einer Pause vorm Proberaum statt. Irgendwann zwischen drin unterschreiben wir ihm dann blind Verträge, in denen wir ihm wahrscheinlich unsere Seele verkauft haben. Jetzt wird mir auch klar, warum wir mit unserem Blut unterschrieben haben…

UG: *lach* Das kenn ich irgendwoher – Alle Underground Bands haben ja auch ihre Seele geopfert, wissen das aber noch nicht ;) Aber zurück zu euch, ihr seid in all den Jahren auch schon ziemlich rumgekommen, erzählt uns doch ein bisschen über den für euch persönlich beeindruckendsten bzw. geilsten Gig eurer Laufbahn.

Nikola: Tja, den einen, Absoluten gibt es glaube ich gar nicht. Besonders positiv stechen meist die Gigs heraus, an die überhaupt keine Erwartungshaltungen geknüpft sind, wenn man z.B. in einer kleinen Hütte vor 30 Nasen spielt und die völlig ausrasten und einfach alles stimmt. Es sind eigentlich immer die Konzerte, bei denen wir vergessen, die Videokamera einzuschalten.

UG: Irgendwelche schlüpfrigen Stories mit Groupies? Wir verraten auch fast niemand davon ;)

Nikola: Nun, uns begegnen selten Menschen, zu denen die Bezeichnung „Groupie“ passen würde. Obwohl der Begriff ja auch recht negativ behaftet ist. Was schlüpfrige Stories angeht… Da sind wir vor allem in der Öffentlichkeit altmodisch: Der Gentleman genießt… und schweigt.

UG: Wie steht ihr zum Thema Pay-to-Play vor allem im Metalbereich bzw. was haltet ihr davon für Gigs in Vorleistung zu gehen und eventuell auf Kosten sitzen zu bleiben aber einen geilen Gig gehabt zu haben?

Nikola: Wir machen es nicht. Wenn wir nicht der Veranstalter des Abends sind, dann treten wir dafür auch nicht in Vorkasse. Es ist leider zu einer verbreiteten Gewohnheit geworden, die von den meisten, ich sage jetzt bewusst Betroffenen, resigniert akzeptiert worden ist. Es ist eine Frechheit, dass manche, nicht alle, Veranstalter ihr unternehmerisches Risiko auf vor allem junge Bands abwälzen. Wenn der Gig dann auch noch wirklich gut besucht ist und der Laden brummt, schlägt sich das selten im Geldbeutel der Bands wieder. Und das ist brutale Abzocke. Oft hat der Veranstalter nicht mal daran gedacht, wenigstens ein einfaches Catering in Form von belegten Brötchen und Wasser bereit zu stellen. Das Wasser darf man dann haben, wenn man lieb gefragt hat. Über Bier haben wir da noch gar nicht gesprochen. Das ist dann umso spannender, wenn man mehrere hundert Kilometer zur Location zurückgelegt hat. Dies zeigt dann schon eindeutig die Haltung gegenüber den Musikern.

Es ist leider Usus geworden und viele Bands machen das mit, um überhaupt an Gigs zu kommen. Wenn man den ganzen weiteren Kostenaufwand und die Arbeitszeit betrachtet, die von einem einzelnen Gig mal abgesehen, in dieser Maschinerie namens Band steckt, kann man schon ins Grübeln kommen. Das ist vielen nicht bewusst, den Fans oft nicht, manchmal nicht mal den Musikern selbst und erst recht nicht einigen Veranstaltern.

Der häufigste Spruch, btw. mein Liebster, den ich schon oft zu hören bekam, ist: „Wo ist das Problem? Ihr macht das doch zum Spaß!“ Komisch, wenn ich diese Aussage an den Absender zurück schicke, kommt das nicht so lustig an. Warum nur? Wir ziehen da eine klare Linie und gehen auf solche „Angebote“ nicht ein. Da es inzwischen eine undurchsichtig große Menge an aktiven Bands im Underground gibt, finden solche Veranstalter leider auch immer wieder welche, die das so hinnehmen. Zum Glück muss ich aber auch feststellen, dass es auch faire Veranstalter gibt, die eine echte, man kann es so nennen, Geschäftskultur pflegen.

Du hast da ein Thema angeschnitten, das sehr umfangreich ist und die Gemüter erhitzt. Es betrifft uns alle, auch den Konzertbesucher, der an der Kasse darüber diskutiert, dass fünf Euro für zwei Bands zu viel sind. Ob ihm bewusst ist, dass dieses Geld bis auf Merchandise- und CD-Verkäufe wahrscheinlich (im günstigen Falle) das Einzige an Einnahmen für den Abend ist, welches diese Bands dann unter sich aufteilen? Ich bezweifle das.

UG: Stellt dir vor du hättest die Chance euch ca. 2005 mit dem Wissen von heute im Proberaum selbst zu treffen, was würdet du euren jüngeren Ichs mit auf den Weg geben?

Nikola: Mal sehen, 2005, das fühlt sich ewig weit weg an. Es ist viel passiert seitdem. Das war nicht die leichteste Zeit für uns, sowohl in der Band als auch menschlich, und danach wurde es erst mal für einige Zeit auch nicht unbedingt besser, das war uns damals natürlich nicht bewusst. Wahrscheinlich würde ich nichts sagen, mich mit einem Bier dazu gesellen, die vergleichsweise unbeschwerte Zeit genießen und mit einem lachendem und einem weinendem Auge fortgehen. Ja, das würde ich machen, denke ich. – Hey, das ist eine schöne Idee für einen Song.

UG: Hehe, dann freu ich mich auf eine Widmung in Demselben, ich sollte mich wohl als Muse verdingen und nicht als Sklave guter Musik, wobei das ja dann wohl dasselbe wäre! Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Erfolg bei eurer Releaseshow im MTC-Club Köln am 2. Februar und hoffe das Album schlägt ordentlich ein und vielleicht trifft man dort den einen oder anderen UG’ler!

Nikola: Vielen Dank und bis bald!

Das Interview führte Grave von Undergrounded und Nikola von SKUM.

Januar 2013

 http://undergrounded.de/index.php/interviews/item/687-interview-skum